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Freikirchliche Brüderbewegung: Wie es zur religiösen Knechtung meiner Sippe kam
Die folgenreiche Errettung des Ludwig B.
Erstes Buch
Teil 1: Ludwig, Carl und Mister Darby
Teil 2: Der wiedergeborene Ludwig
Zweites Buch
Adolf Birkenstocks Ungehorsam
Zweites Buch
Adolf Birkenstocks Ungehorsam
Im Jahre 1925 ist aus der Breckerfelder Gemeinde des Carl Brockhaus eine Freikirche mit rund siebenhundert „Versammlungen“ im ganzen Deutschen Reich geworden, viele entstanden aus darbyscher „separation“ und Separation von der Separation. Es gibt, schreibt Ischebeck, ein Chronist der darbystischen „Brüder“, „Städte mit drei und vier sich ausschließenden Parteien, die aber alle zugleich den Anspruch erheben, sie alleine ...“. Den Ton geben nicht die „offenen Brüder“ unter ihnen an, sondern die abgekapselten. Nie würde einer von denen mit einem „offenen“ gemeinsam das Abendmahl feiern.
Die Brüderbewegung hat einen eigenen Verlag, ihre eigene Bibel und ein eigenes Liederbuch. Si betreibt Pflegeanstalten, Kinderheime, Altenheime. So wenig sie miteinander zu tun haben wollen - es einen sie doch Grundgedanken von Carl Brockhaus und John Nelson Darby: Alle anderen „Christen“ leiden unter ihren Sünden, wir aber sind geheiligt. Nur wir sind die wahre Kirche, alle anderen bloß Sekten. Eine Organisation brauchen wir nicht. Wir brauchen auch keine besonderen Prediger, denn uns leitet der Heilige Geist, und wenn der Geist einem von uns zu reden eingibt, dann redet der zu uns, und wir hören zu; wem er ein Lied einflößt, der schlägt es vor, und wir singen es. Und überhaupt nennen wir das Predigen jetzt „Sprechen“, und die Predigt nennen wir jetzt „Wortbetrachtung“.
Sie alle scharen sich um den Verlag Brockhaus in Elberfeld, der zugleich die so genannte Zentrale der „geschlossenen“ Brüder ist. Von dort werden sie mit Bibeln, Liederbüchern, Hunderten von Traktaten und ganzen Stapeln schwarz gebundener Evangelisations- und „Erbauungs“-Büchern versorgt.
Auch in Dortmund gibt es eine Versammlung. Zu ihr gehören mehr als dreihundert Menschen. Die große Zahl rührt daher, dass unter den Hunderttausenden Bergleuten des expandierenden Ruhrgebiets auch viele Ostpreußen sind, von denen viele sich zum „Ostpreußischen Gebetsverein“ hielten und nun von der „Versammlung“ aufgesaugt werden.
Sie alle kommen jeden Sonntag zusammen; vormittags nehmen etwa 150 am „Brotbrechen“ teil. Es sind samt und sonders Bekehrte. Andere dürfen nicht mitmachen. Am Nachmittag kommen sogar rund dreihundert zur „Wortbetrachtung“.
Zeitsprung: Drei Generationen später
Berichte von Nachgeborenen: „Bekehrungen“ (2)
Elisabeth S.,*1908, Urenkelin Ludwigs, Tonbandaufzeichnung im Januar 1985
Immer wieder wurden wir als Kinder gefragt, ob wir bekehrt wären. Wenn unsere Großmutter Birkenstock ... kam, da hatte ich Angst vor.
Wenn die zum Mittagessen kam, zu Besuch, dann fragte sie: „Seid ihr immer noch nicht bekehrt? Herbert und Walter Pixberg sind es längst!“-
Einmal, beim Liebesmahl, da fragte unser Sonntagsschullehrer: „Wer ist bekehrt?“ Alle, die sich bekehrt hatten, mussten den Finger heben.
Wir drei Schwestern meinten, wir dürften nicht den Finger heben. Das war mir hart. Ich fühlte mich nicht bekehrt. Aber das Gegenteil konnte ich auch nicht sagen.-
Einmal haben Hanna und ich uns gezankt. Da hat Mutter gesagt: „Ihr seid ja gar nicht bekehrt!“ Das hat mich in gewissem Sinne erschreckt.
Reinhold S.,*1903, Schwager einer Urenkelin Ludwigs, Tonbandaufzeichnung, 1976
Frage: Meine Mutter hat erzählt: Als ihr beiden Brüder einmal von zu Hause ausgerissen und über Nacht weggeblieben wart und Angst hattet, zurückzukehren, habt ihr, um keine Prügel zu kriegen, bei der Rückkehr behauptet, ihr hättet euch unterwegs bekehrt.
Antwort: Wir hatten lediglich die Idee: Wenn wir uns jetzt bekehrt haben (was wir halb oder wenigstens zur knappen Hälfte selbst glaubten), dann sind wir andere Menschen geworden, und du kannst den alten Adam ja nicht mehr strafen. Es hat aber nichts geholfen.
Nach dem Ersten Weltkrieg ist die zentrale Figur der Dortmunder Versammlung ein Enkel des legendären Ludwig: Adolf Birkenstock. Er wird einer von denen sein, an denen Folgen von Ludwigs Errettung exekutiert werden.
Im Jahre 1925 ist er 43 Jahre alt. Nach vielfach bestätigter Familien-Überlieferung hat er sich schon als Kind „bekehrt“ und bereits im Alter von neun Jahren enthusiastisch bekannt: „Hach, ich bin ja so was von bekehrt! Ich werde immer bekehrter!“
Er ist ein ruhiger, gefühlsstarker, besonnener und beherrschter Mann, großzügig bis zur Selbstaufgabe und stets bereit, den „unteren Weg“ zu gehen. Er steht einem „Haus“ mit Frau, vier Kindern und der ledig gebliebenen Schwägerin Emma vor.
Jedes Wort der „Schrift“ ist ihm heilig, wie das von seinem Großvater auf ihn gekommen ist. Er kennt die Bibel besser als fast alle seiner Brüder. So kommt es, dass meist er bei der „Wortbetrachtung“ „spricht“, wenn die Dortmunder Versammlung am Sonntagnachmittag in der Saarbrücker Straße zusammenkommt.
Neben seinem bürgerlichen Beruf als Kaufmann ist Adolf Birkenstock Schriftleiter der Jungbrüder-Zeitschrift „Tenne“. Bibelkenntnis, Verwurzelung in der Versammlung und Schreibgewandtheit befähigen ihn, jeden, auch den verwinkeltsten Fragengang seiner Leser aus dem deutschen Versammlungs-Jungvolk mit einer Hand voll hingestreuter Bibelzitate zu beantworten, vor allem: einander widersprechende zu harmonisieren. Denn da jedes Wort buchstäblich Gottes Wort ist, können Widersprüche ja nur scheinbar sein. Was nicht harmonisiert werden kann, ist für ihn, wie für alle Wortgläubigen, „Gottes Geheimnis“.
Zugleich kennt er die „Zäune der Väter“, die bei der Abschottung von „Welt“ nützlich sind, alle die Gepflogenheiten und Gewohnheiten und die zu Dogmen erstarrten Meinungen der Altväter Brockhaus & Darby, denn darin er ist ja groß geworden. Aber bei all seiner radikalen Wortgläubigkeit fehlt ihm doch die fanatische Engstirnigkeit vieler „Brüder“; er kann doch den Kopf heben und über das eigene Beet hinweg schauen, was sich im Gemüse der Nachbarn tut. Weil er die Ideen der Versammlung und eigene Erkenntnisse so vermitteln kann, dass sie die bestehende Ordnung möglichst wenig stören, ist er in der „Tenne“ die Idealbesetzung für die Beantwortung von Fragen aus dem jugendlichen Leserkreis.
Er gibt sich Mühe, bei seinen Antworten möglichst nicht die Gegnerschaft der vielen eifernden Wortklauber und Haarespalter unter den älteren Brüdern zu wecken. Die überwachen mit großem Misstrauen ihr Jungvolk, auf dass ja im Zaun um ihren geistlichen Garten keine Latte gelockert werde. Auch im Sinne der Alten beantwortet er viele Fragen in seiner „Tenne“ und hofft, ihren Widerspruch zu vermeiden und sie auf seine Seite zu ziehen.
Die Brüder einer Versammlung haben einigen Jungmännern verboten, in einem „weltlichen“ Raum miteinander zu singen, klagt einer von ihnen. Nun ja, gibt er zu bedenken, gab es dafür vielleicht einen plausiblen Grund?
Dem „andern Geschlecht“ soll man nicht so schnell das „Du“ anbieten? Richtig! Man kann „nicht vorsichtig genug sein ... in jedem Verkehr mit dem andern Geschlecht“.
Nackte Menschen in der Kunst? „Lieber wollen wir bewusst ‚rückständig‘ bleiben.“
Ein künstlerischer Chor in der Versammlung? Muss nicht sein, weil der „nur die Ohren kitzelt“, statt zur Ehre des Herrn zu singen.
Bei kniffligen Fragen bittet er alte Brüder um Rat. Von seinem leib-lichen Bruder Wilhelm, einem der Wortführer in der ersten Kategorie der „Lehrbrüder“, veröffentlicht er den kompletten Jahrgang 1925 hindurch einen frommen Fortsetzungsroman.
Ein Dreivierteljahrhundert ist vergangen, seit Brockhaus und Darby missionierten; seit Jahrzehnten sind sie unter der Erde. In der „Welt“ geht’s hoch her. Ein schrecklicher Weltkrieg hat das Land ruiniert; der deutsche Kaiser ist fahnenflüchtig geworden und in der Fremde gestorben, ein Völkerbund wurde gegründet, Deutschland hat eine demokratische Verfassung, in Dortmund haben französische Truppen das Sagen, und in Bayern wurde ein gewisser Hitler, ein fanatischer Hassprediger, eingesperrt. Im Lande geht’s drunter und drüber, aber mitten im Chaos haben sich die Brüder ihr Gärtchen eingerichtet und bauen da ihre Gemüse. Sie forschen in der „Schrift“, was ihr HErr vom Treiben der „Welt“ hält. Da sie spezielle Anweisungen nicht finden, konzentrieren sie sich darauf, Gemüse und Zäune in Ordnung zu halten.
Zeitsprung: Vier Generationen später
Berichte von Nachgeborenen: Was bei der Brüderbewegung „Welt“ ist (2)
Gisela H., * 1944, Ururenkelin Ludwigs, im Januar 1995
Meine Eltern haben versucht, uns von dem ganzen Schmand freizuhalten, unterlagen aber trotzdem der versammlischen Gesetzmäßigkeit. „Ihr habt Schlager gesungen!“, wurde ihnen gepetzt. „Die Erika ist mit einem Jungen gesehen worden!“ Die erste Tanzstunde meiner Schwester war eine mittlere Katastrophe. Niemand durfte das wissen, und unsere Mutter schickte sie mit den Worten aus dem Haus: „Vergiss nicht, wes Geistes Kind du bist!“ Haareabschneiden, Tanzen, Schlager singen, Schminken, sonntags ins Kino gehen - all das war verpönt, war „Welt“, in der wir nicht sein durften.
Eins ist mir heute deutlich: Es war eine subtile Mischung aus Freiheit (für die meine Eltern standen) und Angst. Die schlimmsten Strafandrohungen der Bibel waren nichts dagegen, mit irgend etwas Verbotenem von „Brüdern“ erwischt worden zu sein.
im Mai 2001
Mein Opa K. war einer von der harten Sorte, unerbittlich; der wuss-te, wo‘s langgeht, was falsch war und richtig. Der predigte den Zorn Gottes und das Gericht. Da war keine Liebe, da war nur „Reue“ und „Buße“ und „das Wort“ und „die Schrift“. Er war wie durchdrungen von dem Auftrag, stets zu „verkündigen“, auf Biegen und Brechen. In späteren Jahren weinte er immer vor Ergriffenheit.
Die Goldene Hochzeit der Großeltern wurde bei uns gefeiert. Da waren beide Wohnzimmer ausgeräumt, Verwandte, Kinder, Kindeskinder und natürlich „Versammlungs“-Geschwister“ rückten an, und meine Mutter bekochte und bewirtete sie alle.
Beim gemütlichen Teil wurde wie immer gesungen, meine Mutter griff zur Laute und sang mit ihrer schönen Stimme und blanken Augen Volkslieder, völlig harmlose, bekannte. Mein Großvater erhob sich und wurde laut: Das sei ja wohl keine „Verkündigung“, und sie habe andere Lieder zu singen. Es folgte betretenes Schweigen, alle guckten vor sich hin. Die Feier hatte einen Knacks.
Besonders die Zäune. In einer Gemeinschaft, wo einer den anderen fortwährend argwöhnisch beschnüffelt, ob auch nicht ein einziges falsches Wort seinem Munde entfleucht, wo Streitschriften, Spaltungen und wechselseitiges Ausschließen längst zum Tagesgeschäft gehören, ist die öffentliche Beantwortung kritischer Fragen höchst gefährlich.
Birkenstocks phantastische Bibelkenntnis und tiefe Gläubigkeit helfen ihm ebenso wie seine lebenslange Verwurzelung in der Versammlung und intime Kenntnis ihrer Marotten und Spleens. Aber er ist zu ehrlich, um bei seinem alle zwei Wochen neuen Slalomlauf durch ganze Fettnapf-Felder unfallfrei zu bleiben. So geht kaum eine Nummer an die „Jungbrüder“ im Land, in der nicht eifrige Sucher ein verstecktes Körnlein undarbystischen Gedankenguts finden könnten.
Dürfen Mädchen die modische Bubikopf-Frisur tragen?
Er kleidet seinen Rat, die Mädchen sollten ihre Haare lang lassen, „wie es die heiligen Frauen in der Schrift taten“, in launige Form.
Protest eines „Reisebruders“: Die Sache sei „zu ernst..., um sie in solch humorvoller Weise zu behandeln“. Brav druckt er das in der Hoffnung auf Besänftigung als Leserbrief.
Soll beim Abendmahl vor oder nach dem Gebet das Brot gebrochen werden? Es komme dem Herrn Jesus nicht auf die „Form“ an, antwortet er.
Unruhe unter den Alten auf den vorderen Bänken. Als wäre das eine Formsache, die in der Bibel genannte Reihenfolge einfach umzudrehen! Und dann begründet der Adolf Birkenstock das auch noch mit einem Bibelvers: „Der Buchstabe tötet, der Geist aber macht lebendig.“
Sport ist bei den „Brüdern“ allgemein verteufelt. Aber, fragt ein Jungmann, könnte er vielleicht doch zu billigen sein, wenn hinterher eine Andacht stattfindet? Er antwortet: Lieber ehrlich Sport treiben ohne anschließendes „Beruhigungspülverchen“.
Anfrage in Elberfeld.
Auf die Frage, ob ein Gymnasiast sich dem Schülerbibelkreis anschließen dürfe, antwortet er tatsächlich: Es gebe vorbildliche Bibelkreise. Unerhört: Außerhalb unserer Versammlung und trotzdem vorbildlich!
Wehklagen nach Elberfeld.
Er veröffentlicht regelmäßig eine Presseschau, zitiert aus dem „Gärtner“ und dem Ev. Allianzblatt, aus „Evangelist“, „Reichsbote“, „Reichsgottesarbeiter“ und „Zionsfreund“ (ha: Zionsfreund!) - lauter Organen von Gruppen, die nicht zu uns gehören und deshalb gar keine echten Kinder Gottes sein können. Protest nach Elberfeld.
„Die Kinder Gottes, die Versammlung, steht nicht als eine Einheit da, sondern sie ist in viele Kreise gespalten.“
Beschwerde in Elberfeld.
„Wer irgend Jesus als seinen Heiland liebt, der ist dein Bruder.“
Empörung nach Elberfeld.
Es gibt „Kinder Gottes“ auch in anderen Gemeinden. ... „die nicht mit uns das Brot brechen.“
Aufschrei nach Elberfeld. Jetzt ist‘s genug! Nur die Brüder am „Tisch des Herrn“ feiern das wahre Abendmahl; alle andern lutschen Oblaten von Thams & Garfs und schlürfen billigen Wein.
Für viele scheinbar kleine Tapser wäre es vielleicht mit geistlichen Abmahnungen für ihn abgegangen. Aber er stellt sogar die Einzigartigkeit der „Brüder“ in Frage! Wehe, wir erleben es selbst, was geweissagt ist in der Schrift: „Es werden Männer aufstehen, die verkehrte Lehren reden.“77 Dieser Mann verdirbt die Jugend! So einer darf doch nicht die „Tenne“ herausgeben!
Und auch bei seinen „Wort“-Auslegungen in Dortmund deutet er vorsichtig an, es gebe „Geschwister im Herrn“ in anderen Gruppierungen. Viele kennt er und ist gern mit ihnen zusammen. Das sagt er vorsichtshalber noch nicht so unverblümt, weil er seine Brüder, überwiegend Arbeiter und kleine Angestellte, nicht überfordern will. Aber er trifft sich mit diesen Sektierern und genießt den „Austausch“ mit ihnen. Was für ihn das Weitergeben einer freudigen Erkenntnis ist, die er im Bibelstudium gewann, verstehen die als einen Angriff auf ihr Allerheiligstes. Wenn auch die meisten schlichten Geistes sind: Doof sind sie nicht. Sollen wir nicht „Acht aufeinander“ haben? Gilt das etwa nicht für unseren Bruder Adolf Birkenstock?
Zeitsprung: Vier Generationen später
Berichte von Nachgeborenen: Wie die Brüder „acht aufeinander“ haben (2)
Gisela H., *1944, Ururenkelin Ludwigs, schriftliche Mitteilung im Januar 1995:
Ich erinnere mich an eine Situation, da waren die „Brüder“ bei uns. Ich wurde vor die Tür geschickt, das machte man damals so mit den Kindern.
Meine Eltern standen vor dem Tribunal - Inquisition, nur ohne Verbrennung, jedoch mit möglicher Verbannung! Es wurde sehr laut geredet, was mir ziemliche Angst machte, aber ich hörte meine Mutter argumentieren, Bibelstellen zitieren. Ich war mächtig stolz auf diese Mutter, die nicht klein beigab, nicht schwieg und den Blick senkte, sondern ihnen Paroli bot.
Meine Eltern flogen trotzdem raus.
Christa Maria S., *1932, Kusine eines Ururenkels Ludwigs am 19.11.2000:
Unser Vater hatte unserer Mutter untersagt, die Frankenberger „Brüder“ zur Befragung der Kinder ins Haus zu lassen. Eines Tages war er wohl für länger als einen Tag fort - die Brüder erschienen. Wir drei Geschwister mussten uns in einer Reihe aufstellen: Bruni, Wolfgang und ich, als vierter Hartmuth W., ein Flüchtling, den wir zu dieser Zeit aufgenommen hatten. Wir hielten ihn für vollkommen ungläubig.
Ich war damals 17 Jahre alt. Für mich war klar: Ich wollte mein Leben den Kranken und Elenden weihen. So wurde ich gar nicht befragt. Aber die andern! Bruni stotterte herum und wurde ermahnt, Wolfgang ebenso. Dann Hartmuth, der sich flott als gläubigen Menschen darstellte. Wir waren empört!
Als unser Vater wieder zu Hause war, haben wir ihm die Geschichte brühwarm erzählt. Es gab einen Riesenkrach mit unserer Mutter.
So geschieht, was geschehen muss: Auch einige der Dortmunder schwärzen ihren Sprecher stiekum in Elberfeld an - bei Carls Sohn Rudolf Brockhaus.
Der geht schon auf die siebzig zu und fühlt sich noch immer als der Bewahrer von seines Vaters Erbe. Schon sein Vater Carl galt Zeitgenossen nicht gerade als Erfinder der Verbindlichkeit. Rudolf aber ist in den vom Vater weitergegebenen Glaubensgrundsätzen von rabiater Kompromisslosigkeit. Zur Einordnung ist er kaum fähig, wie Zeitgenossen übereinstimmend berichten. Nur einen Platz gibt es für ihn: an der Spitze. Er ist der zwar nicht gewählte, aber allgemein widerspruchslos anerkannte Führer aller „Elberfelder“.
Eine „ausgesprochene Führernatur“ nennt ihn der verbindliche Brüder-Biograph Gerhard Jordy - was in weltlicher Sprache Dominator heißt. Seine Brüderbewegung beherrscht er fast nach Belieben - nach des Herrn Willen, würde er selber sagen, und das meinte er wirklich so. Selbst, wenn er nicht der Sohn des in allen Versammlungen verehrten Stammvaters und nicht der Seniorchef des Verlags der Brüder in der „Zentrale“ Elberfeld wäre: Eine Führungsposition wäre bei seinem Charakter wohl unvermeidlich gewesen. Des Vaters Erbe aber und die wirtschaftliche Macht dazu machen den Rudolf Brockhaus praktisch unangreifbar.
Nun aber sitzt er in der Bredouille. Den Birkenstock einfach schweigend übergehen? Geht nicht. Dafür ist schon zu viel Unruhe. Das wäre auch nicht des Brockhaus‘ Art. Der legt lieber die Lanze ein und gibt dem Gaul die Sporen.
Den Birkenstock überzeugen, er habe sich vom Satan etwas einflüstern lassen? Geht auch nicht. Der beruft sich einfach auf seine Bibel, und dann kommt Rudolf ebenso ins Stottern wie andere Brüder, denn was der Dortmunder sagt und schreibt, verletzt kein Wörtchen in der Bibel. Er rüttelt nur an den vielzitierten „Zäunen der Väter“, die sie um den „Boden“ ihrer Überzeugung gezogen haben. Auf profaneren Äckern in der „Welt“ umzäunt das Volk solche Grundstücke mit „Haben wir schon immer so gemacht!“
Für die Bewachung dieser Gatter aber fühlt sich Rudolf Brockhaus persönlich zuständig. Hartköpfig und eifernd verteidigt er besonders die von Darby handgeschmiedeten Zaunspitzen „Einheit der Lehre“: Die Urkirche des Paulus hat nur eine Lehre gehabt, die haben unsere Väter endlich wiederhergestellt, und nun müssen wir Angriffe gegen sie unerbittlich abwehren.
Aber einfach ‘rausschmeißen kann man einen Adolf Birkenstock auch nicht. Seit Jahren ist der bekannt und geschätzt im ganzen Reich. Der hat Einfluss. Obendrein gibt es viele Birkenstocks in Versammlungen, voran seinen Bruder Wilhelm aus Wuppertal, einen Lehr- und Reisebruder aus der ersten Kategorie. Die Sippe ist für ihr Zusammenhalten bekannt. Und der Birkenstock-Urvater Ludwig war schließlich einer der ersten Gefolgsleute des Gründervaters Carl Brockhaus.
Damals, als Fritz, ein anderer Bruder, ausgeschlossen wurde, das war etwas anderes. Der ist zwar auch ein Birkenstock, aber nur eine Randfigur in der Versammlung. Und dass der Bann seine Frau und das Kind automatisch mittraf, wurde allgemein als recht und billig angesehen. Schließlich hatte sie mit ihm gehurt. Obendrein war sie katholisch. Und dann hat er dieses Lotterweib auch noch geheiratet! Jede Tatsache für sich hätte gereicht, ihn rauszuschmeißen. (Um die unschuldige Hurenfrucht wird sich der Herr schon kümmern, denn mit dem Ausschluss gehorchen wir ja nur seinem Befehl.) Nein, Fritz Birkenstock war kein Problem. Aber Adolf - das ist etwas anderes.
Mancher Dortmunder sagt sich jetzt: Eigentlich hätten wir es schon früher merken müssen, dass unser Hauptsprecher das Böse bei uns einschleppt. Damals, als wir seinen Bruder Fritz ausgestoßen hatten, ging er vor aller Augen auf den zu, reckte ihm die Hand entgegen und sagte: „Fritz, mein Haus steht dir immer offen!“ Und hat dieses Sündenknäuel nicht auch noch davon Gebrauch gemacht? Schön, seine katholische Hure hat er dem Adolf erspart; er kam stets allein. Aber er kam! Und Adolf ließ ihn rein!
Es gibt in der Welt der Versammlungen keine Hierarchie, weil die in der Bibel nicht vorgesehen ist. Dass die anerkannten Kapazitäten, „Lehrbrüder“ und „Reisebrüder“, sich um den Verleger Brockhaus scharen, der sie mit dem Handelsgut Bücher und Heftchen versorgt, der die Verbindung zwischen ihnen hält, bei dem sie einander treffen und von dem aus sie auf ihre Tourneen gehen, ist doch keine Hierarchie!
Wenn dieser Kreis handverlesener „Brüder“ auf seinen vierteljährlichen „Konferenzen“ dafür sorgt, dass es in deutschen Versammlungen nach Gottes von Darby entdeckter und von Rudolf Brockhaus bewachter Wahrheit zugeht, kann es allenfalls auf verblendete Nicht-Brüder so wirken, als gäbe es „eine straffe, von Elberfeld ausgehende Führung“ (Kunz) oder eine „kettenfeste Vergliederung, die nicht einmal die Methodisten haben“ (Ischebeck). In Wahrheit ist natürlich jede Versammlung autonom und entscheidet ihre Angelegenheiten selbst wie weiland die Römer, Korinther und Epheser. Aber Rat wird man sich doch holen dürfen! Und dafür gibt es eben die „Lehr- und Reisebrüder“.
Niemand wird je bezeugen können, wer welche Fäden im Hinter-grund zieht. Protokolle gibt es nicht. Wenn Gott Protokolle brauchte, hätte er das den Seinen an irgendeiner Stelle mitgeteilt. Aber die Vorstellung, dass einige Dutzend schwarzberockter älterer Männer aus allen Gauen des Reichs auf einer „Reisebrüder-Konferenz“ zusammensitzen, sehr wahrscheinlich im Elberfelder Brockhaus-Verlag, und dass Rudolf Brockhaus ihnen das Problem Adolf Birkenstock darstellt und sogleich auch die Lösung parat hat, kommt sicherlich der Wahrheit sehr nahe.
Eine Entscheidung muss her. Zwischen den verschiedenen Versammlungen gibt es ein dichtes Netz von Beziehungen, Freundschaften und Bekanntschaften. Man trifft sich immer wieder auf sogenannten Konferenzen, wovon unzählige Erinnerungsfotos mit viel Vordergrund und einer Hundertschaft winziger Figuren im Hintergrund noch heute zeugen. Unruhe ist ausgebrochen in den vielhundert Versammlungen.
Wessen hat sich der Birkenstock eigentlich schuldig gemacht? Mehrere Bereiche kommen in Frage, wie sie Paulus in seinem ersten Brief an die Gemeinde in Korinth und in seinem zweiten an die Thessalonicher nennt. Ist der Delinquent gläubig? Da kann kein Zweifel sein.
Hat er etwa „unordentlichen Wandel“? Absurd!
Was ist mit der „Verbreitung falscher Lehren“? O ja, das gewisslich! Wenn dieser Mann behauptet, ein „Bruder“ dürfe mit Baptisten, Wiedenestern und wer weiß mit welchen Unheiligen noch das Abendmahl feiern, ist er ein Irrlehrer! Mehrere Aufpasser haben ihn im brüderlichen Gespräch mit Baptisten und sogar - das ist das Letzte! - mit Kirchlichen erwischt. Dieser Mann ist nicht „rein in seinen Verbindungen“, zu Deutsch: Er hat schlechten Umgang.
Und da gibt es ja einen weiteren Bereich: „Sündigen gegen einen Bruder“, wie es in Matthäus 18 beschrieben ist. Natürlich, auch dessen hat er sich automatisch mit schuldig gemacht. Genug schwer wiegende Vorwürfe. Auf ihn trifft Römer 16, Vers 17 bis 19 zu. Gemäß 17 müssen wir uns von ihm „abwenden“. Das ist, sagen die vereinseigenen Schriftgelehrten, erheblich mehr als nur „sich zurückziehen“. Es heißt: Unsere Wege trennen sich - raus!
Auch die Prozessordnung für Menschen wie den Birkenstock holen sich die Brüder aus Matthäus 18. „Gehe hin, überführe ihn zwischen dir und ihm allein.“ Erst wenn das erfolglos bleibt, dürfen weitere Akte folgen. So muss sich, sagt die Zentrale, einer der Dortmunder Brüder überwinden, mit Bruder Birkenstock zu reden. Am besten einer der Anschwärzer.
Wer sich schließlich breitschlagen lässt, ist später nicht mehr festzustellen. Jedenfalls muss es ein zu Verwegenheit neigender Mann sein, denn er steht gegen seinen langjährigen Sprecher von vornherein auf verlorenem Posten. Der lässt nur „die Schrift“ gelten, die kennt er besser als seine Mitbrüder und mit der ist ihm nicht beizukommen.
Als die missliche Kunde vom Fehlschlag zu Robert Brockhaus dringt, lässt er sich auf einen in der Prozessordnung nicht vorgesehenen aber auch nicht verbotenen Akt ein. Adolf Birkenstock hat ihm geschrieben und legt ihm seine Erkenntnis dar. Brockhaus antwortet dem Abweichler und lässt sich, sicherlich widerwillig, auf eine Korrespondenz ein.
Die alten Papiere sind nicht mehr vorhanden. Im Zweifel sind sie in dem vom Krieg schwer getroffenen Wuppertal Fliegerbomben zum Opfer gefallen. Im Übrigen aber gilt: Nur Geschäftspapiere müssen eine gewisse Zeit lang aufbewahrt werden („gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist“), doch von privater Korrespondenz steht in der Bibel kein Wort.
Dass Brockhaus in solchen Fällen unnachgiebig bleibt und buchstäblich keine Verwandten kennt, beweist er just zu dieser Zeit in einem anderen Streit, als er den Rausschmiss seines eigenen Vetters Wilhelm wegen „böser Lehre“ betreibt, und der hat als Autor der großen Konkordanz einen noch besseren Namen als Adolf Birkenstock.
Der Dortmunder soll nun endlich widerrufen oder wenigstens den Mund halten. Doch an so einem Verlangen ist Anno 1521 sogar ein Kaiser gegen einen Mönch gescheitert. Da hat ein Rudolf Brockhaus erst recht keine Chance.
Doch, er hat eine. Stark ist er nämlich nicht nur als De-facto-Führer aller Versammlungen, am stärksten ist er auf dem Feld der „Tenne“. Dabei kommt ihm zu Hilfe, dass es bei den „Brüdern“ weder demokratische Strukturen gibt (die kommen ja in der Bibel auch nicht vor) noch schriftliche Verträge - nur „brüderliche“ Absprachen. Er setzt, er druckt, er vertreibt, er führt die Abonnentenliste und besorgt das Inkasso. Dass sein Sohn inzwischen weitgehend die Verlagsgeschäfte führt, ist unbedeutend, denn auch der unterwirft sich der Autorität.
Diesmal ist es Adolf Birkenstock, der keine Chance hat. Nur „unter Mitwirkung mehrerer Freunde“ ist er Herausgeber. Eventuell darf er das ja auch bleiben. Darüber könnte man vielleicht reden. Dann muss er aber seine Texte vor der Einsendung nach Elberfeld „einem andern Bruder zur Durchsicht“ vorlegen.
Er denkt einige Tage lang betend nach. Dann weiß er, dass er ohne das Vertrauen von „Elberfeld“ nicht weiterarbeiten kann.
Unterdessen kriegen junge Leute aus der Dortmunder Versammlung, natürlich nur männlichen Geschlechts, Wind davon, dass es ihrem Idol an den Kragen gehen soll. Sie sind empört. Auch sie meinen, dass ihre Versammlung nicht als einzige die Wahrheit habe. Sie formulieren einen flammenden Appell. Ausgerechnet Elberfeld! Die haben es gerade nötig! Hat nicht der Brockhaus-Verlag, der sich im Eifer für den Herrn gar nicht genug tun kann, sogar Karnevalstraktätchen gedruckt, nur um des schnöden Mammons willen? Ha, das muss auch in unseren Appell!
Die jungen Männer fühlen sich alle bekehrt. Wenn sie auch die vorderen Bänke selbstverständlich meiden, so sind sie doch vollwertige Glieder der Dortmunder Brüdergemeinde.
Zeitsprung: Vier Generationen später
Berichte von Nachgeborenen: „Bekehrungen“ (4)
Annette T., *1947, Ururenkelin Ludwigs, schriftlich im Januar 1995
Ich war vierzehn Jahre alt. In N. war Zelt-Evangelisation, zu der unsere Familie jeden Abend gemeinsam fuhr. Am Ende jedes Abends wurden mit lockenden Worten und schmalziger Musik alle diejenigen Zuhörer nach vorn aufs Podium gebeten, die nun „ihr Leben dem Herrn Jesus übergeben“ wollten, sich „bekehrt“ hatten, „ihm nachfolgen“ wollten.
Nach dem letzten Abend durfte ich noch zur Jugend der Baptisten gehen, die sich im Privathaus der Familie B. traf. Diesmal kam auch ein Prediger der Evangelisation dazu. Das Singen und Beten ging weiter. Irgendwann schien Ende zu sein. Der Prediger gab mir zu verstehen, ich solle zurückbleiben, er wolle noch mit mir sprechen. Als er mich allein hatte, fragte er mich, ob ich schon bekehrt sei.
„Nein.“„Du möchtest dich doch bekehren! Das sehe ich dir an!“ Und: „Hast du den Herrn Jesus denn lieb?“
„Ja, sicher.“ Was sonst hätte ich denn sagen sollen, es war mir ja mein Leben lang eingetrichtert worden, und das Gegenteil, also ein „Nein“, wäre auch nicht richtig gewesen.
Er schien überglücklich über meine Antwort zu sein, betete laut mit mir, dankte dem Herrn und entließ mich endlich zu den anderen.
Am Sonntag darauf, gegen Ende der „Versammlungs“-Stunde, steht ein „Bruder“ auf und verkündet den erstaunten „Geschwistern“, dass „Annette sich bekehrt hat“. Ich war entsetzt, zumal meine Eltern mich gleich mit Tränen in den Augen umarmten und auch andere mir die Hand drückten. Ich brachte es nicht übers Herz, die Sache klarzustellen. Also dachte ich: Erst mal abwarten, bei Gelegenheit werde ich das irgendwie in Ordnung bringen.
Ein paar Wochen später wurde ich wieder überrumpelt, nämlich als man mir in der Versammlung eine Bibel und ein Gesangbuch überreichte, beide mit meinem in Goldlettern eingeprägten Namen versehen. Anschließend wurde gebetet, ich möge stark im Glauben sein.
Die sich mit Überzeugung und Inbrunst bekehrt haben, fühlen sich auch sicher: „Es ist nun nichts Verdammliches an denen, die in Christo Jesu sind“ (Paulus ...) Die Gewissheit, so oder so errettet zu sein, hilft ihnen, die Scheu vor der Autorität der Alten zu überwinden.
Ihren Text, dessen maßgeblicher Autor der junge Student Reinhold Sennlaub ist, verabschieden sie an einem Samstagabend im November 1925. Einer übertölpelt Robert Schuster, den Verwalter des Versammlungs-Hauses in der Saarbrücker Straße, und erbeutet für kurze Zeit die Anschriften-Liste aller deutschen Versammlungen zwischen Tilsit und Konstanz. Die kupfern sie ab in fliegender Hast, denn diese Liste wird sogar vor gewöhnlichen erwachsenen Brüdern unter Verschluss gehalten.
Dann schmeißen die jungen Männer, sämtlich Taschengeld- und Lehrgeldbezieher, das Porto zusammen und bringen innerhalb von Minuten die für ihre Verhältnisse enorme Summe von mehr als dreißig Reichsmark auf. Noch als alte Männer werden sie später stolz darauf sein. Dann setzen sie ihre Rundbrief-Aktion in Gang.
Der Vorgang ist einfach unerhört. „Elberfeld“ wird mit Anfragen und Protesten aus ganz Deutschland eingedeckt. Seit den Zeiten des Breckerfelder Brockhaus‘ trägt zum ersten Mal eine Gruppe ein Glaubens-Problem allen anderen Versammlungen vor. Verleumdet bei dieser Gelegenheit beiläufig den allerchristlichsten Verlag. Und auch noch junges Volk von den hintersten Bänken ist das!
Jetzt wird Bruder Oeckinghaus aus Hamm beauftragt, den peinlichen Rundbrief aus der Welt zu schaffen und den in der Prozessordnung nach Matthäus vorgesehenen zweiten Akt zu leiten: „Wenn er aber nicht hört, so nimm noch einen oder zwei mit dir...“ Er ist nicht nur als Autorität der Brüderbewegung renommiert, sondern als Nervenarzt für einen solchen Fall psychologisch besonders qualifiziert.
Eines Sonntags sitzt, überraschend für viele, ein fremder Bruder in der „Stunde“, und im Anschluss daran werden die Jungbrüder in die „Brüderstunde“ geladen. Das ist bis auf den heutigen Tag eine Art beschlussfassender Vollversammlung. Ab etwa 30 Jahren darf jeder Mann teilnehmen, der „in Gemeinschaft“ ist, also die Abendmahlslizenz hat. Aber unter 40 traut sich kaum einer. In dieser VV wird über alle Angelegenheiten der Glaubensgemeinschaft entschieden, von der Reparatur des Fensterrollos über die seelsorgerliche Betreuung des Wackelkandidaten X bis zur Zulassung zum „Tisch des Herrn“, dem Abendmahl. Alle Teilnehmer sind vergattert, kein Wörtchen aus dieser Runde nach draußen zu tragen, an ihre Weiber zuletzt. Auch der Fremde sitzt dabei: Bruder Doktor Oeckinghaus, wie sich nun herausstellt, der Nervenarzt aus Hamm.
Mehrheitsentscheidungen kennt die Brüder-VV nicht. Sie beschließt ja, was der Heilige Geist ihr eingibt, und der ist schließlich kein Demokrat, der sich einer Majorität beugte. Auf eine als geheimnisvoll erlebte Weise stellt sich jedes Mal heraus, was der Geist will, und am Ende akzeptieren das alle, wenn auch gelegentlich leise murrend. Als Carl Schubert, der Harte, Humorlose, die von ihm gegründete Dortmunder Versammlung noch dominierte, war eine Entscheidung gegen das, was der Geist ihm persönlich eingeflößt hatte, undenkbar. Neuerdings ist das etwas schwieriger, weil angesichts von Adolf Birkenstocks bevorstehendem Abgang mehrere Männer des Geistes Wirken in sich spüren.
In diesem Gremium werden nun die Jungmänner nach geistlich Strich und gläubig Faden abgebürstet.78 Adolf Birkenstock sitzt dabei. Ihm ist das peinlich, zumal er sich solche Parteinahme des Jungvolks schon einmal verbeten hat, und er bürstet mit. Der Übermacht ist nur einer gewachsen, wenn auch bloß rhetorisch: Reinhold Sennlaub. Während die meisten immer kleiner auf ihren Stühlen werden, springt der kleinwüchsige Reinhold auf und trompetet, hier solle ja wohl das „Kreuziget ihn!“ beschlossen werden. Tumult. Beschluss: Die Burschen haben ihren skandalösen und rufschädigenden Rundbrief zurückzuziehen und durch einen zweiten zu ersetzen. Schluss der Debatte, Ende der Sitzung.
Nun nimmt sich die fremde Autorität die Revoluzzer in Robert Schusters (des Übertölpeten) Wohnung vor. Für schwierige psychologische Probleme ist er ja Spezialist. Zwei Stunden lang knetet er ihr Gewissen, macht ihnen anhand vieler Bibelverse klar, dass sie mit ihrer ewigen Seligkeit spielen. Längst ist das Sonntagmittag-Essen zu Hause kalt. Endlich schließt er, nun hätten sie ja wohl eingesehen, falsch gehandelt zu haben, und dann dürfe er wohl erwarten, dass sie den zweiten Rundbrief schrieben, er wolle auch beim Formulieren helfen, und über das Porto werde man mit sich reden lassen.
Unglaubliches geschieht: Die Burschen überwinden ihre Angst, bleiben standhaft und weigern sich, voran Reinhold, nicht der Mutigste, dafür aber gekränkter Autor. Die Keckheit des kleinen Studenten strapaziert des Nervenarztes Nerven. Und der Termin für das geplante Mittagsmahl in der Familie eines Bruders ist auch längst vorbei. Da wird der Doktor weltlich, und er pfeift Reinhold an: „Sehen Sie erst mal zu, dass Sie in Ihrem Beruf vorankommen!“ Falls er noch eine Chance hatte, ist sie nun vertan. Sogar das endlose gemeinsame Gebet verfehlt die erhoffte einweichende Wirkung.
Oeckinghaus ist fassungslos. Überall wird den „Elberfeldern“ großer Respekt entgegengebracht, und meist folgen ihnen die Versammlungen mit mehr viel mehr Gehorsam als Kirchenchristen ihrem Pfarrer. Die Dortmunder Erfahrung ist neu für ihn, umso mehr, als es junge Burschen sind, die ihm frech die gewohnte Ehrfurcht verweigern.
Die „Brüder“ müssen ihren Gegenbrief selbst schreiben. Der wird wie der ganze Vorgang bis heute unter der Decke gehalten.
Am Nachmittag nimmt sich Bruder Oeckinghaus, zusammen mit einigen Mannhaften aus Dortmund, auch den starrsinnigen Bruder Birkenstock vor. Aber auch der ist ihm über. Nicht alle „Zäune der Väter“ seien schriftgemäß, dieser gar sei nach seiner festen Überzeugung gegen die „Schrift“. Ginge es um Äußerlichkeiten - Adolf Birkenstock würde nachgeben, wie er das in anderen Dingen um des Friedens willen tut. Den Weihnachtsbaum zu Hause hat er weggeschafft, weil Brüder den bei einem “Habt-acht-aufeinander!“-Kontroll-Besuch mit Schaudern entdeckten. Klaglos hat er den Brüder-Beschluss umgesetzt, seiner Elisabeth jeden Kontakt mit ihrem Verehrer Adolf Sennlaub zu verbieten. Und besucht ihn eine Abordnung, um bei ihm und seinen Töchtern deren längst fällige „Bekeh-rung“ anzumahnen, dann schickt er die Mädchen zuvor ins obere Stockwerk. Aber diesmal geht es nicht um Äußerlichkeiten. Für ihn heißt die Streitfrage: Gehorsam gegen Gottes oder gegen Darbys Wort?
Einen Erfolg immerhin kann Oeckinghaus nach Elberfeld bestätigen: Adolf Birkenstock weigert sich nach wie vor, die Texte für seine
Zeitsprung: Drei und vier Generationen später
Berichte von Nachgeborenen: Angst (4)
Gerhard Sennlaub, Ururenkel Ludwigs, *1933:
Ich war 18, Hilfsarbeiter in Wuppertal und nur alle halbe Jahre zu Hause bei unserer Mutter. Einmal legte sie mir eindringlich nahe, „doch mal Herrn A. zu besuchen“. So ging ich zu ihm und erzählte ihm von meinem Leben in der Großstadt, mehrmals unterbrochen von Kunden, die Tabakwaren kauften oder Fußballtoto-Scheine ausfüllten. Dann rief er seine Frau, beorderte sie an den Tresen und schloss die Tür hinter uns.
Und plötzlich machte er Ernst und stellte mir immer währende Schrecken in Aussicht, weil ich von dem im Gewächshaus einst eingeschlagenen Lebensweg abgewichen sei. Feierlich schlug er seine Bibel auf: „Ich habe wider dich, dass du die erste Liebe verlässest.“ Offenbarung 2, Vers 4. Wenn ich nicht zurückkehrte, „wovon du gefallen bist“, dann sei ich verloren. Ich war wie vom Donner gerührt. Ich wusste überhaupt nicht, wessen ich angeklagt wurde und war mir - mit den üblichen Abstrichen - keiner Schuld bewusst.
Wie ich ihm entkommen bin, weiß ich nicht mehr. Ich habe ihn nie wieder gesehen.
Hanna K., *1909, Urenkelin Ludwigs, im Jahre 1984:
Wenn ich nachts aufs Töpfchen ging, da war eine Milchglasscheibe, mit Blumen verziert. Und dann hab‘ ich in der Dämmerung gesehen, dass der Herr Jesus vor der Tür stand und wollte reinkommen. ... Da hab‘ ich Angst gehabt! Und habe nie über die Angst gesprochen, weil ich mich schämte.
Zeitschrift einer Zensur zu unterwerfen. Noch intensiver mit Brüdern beraten würde er sich gern, selbstverständlich im Streitfall auch zurückstecken. Aber sein Zensor sei allein der HErr. Da er das Vertrauen der „Elberfelder“ nicht mehr habe, gebe er die Schriftleitung der „Tenne“ auf.
Zwei Jahre lang hat er für nichts mehr gelebt als für diese Aufgabe. Alle zwei Wochen sechzehn große, eng bedruckte Seiten mit der Erörterung kniffliger Probleme und bei jedem einen Fettnapf-Slalom - das macht man nicht linker Hand. Die Herausgeberschaft ist wie ihm auf den Leib geschrieben, und mit allen Fasern seines Herzens hängt er daran. Aber er sieht im Vorgehen „der Elberfelder“ gegen ihn seines Herrn Willen und gibt nach langen Gebeten in der ihm eigenen Demut kampflos auf. Er hatte ohnehin verloren, denn Rudolf Brockhaus hatte längst seinen Nachfolger bei der Hand.
Für seine brüderlichen Gegner aber hat sich bestätigt, wie weit der Spaltungsprozess fortgeschritten ist. Weil ein Rausschmiss des populären Birkenstock unbedingt vermieden werden soll, reisen nach und nach weitere Koryphäen aus der Schar von mehr als einem halben Hundert Lehr- und Reisebrüdern an. Bruder Lüling, so elegant gestylt, dass er sich von den in biederes Schwarz gewandeten Dortmunder Brüdern auffallend abhebt, Bruder Petersmann mit weißem Seidenschal, den er ab und zu mit anmutiger Gebärde neu über der Schulter drapiert. Aber ihrer aller Bemühungen sind Haschen nach Wind.
Quälend lange Monate ziehen sich die Diskussionen hin. Ebert stirbt und des Kaisers treuer General Hindenburg wird zum Reichspräsidenten gewählt, die französische Besatzungsmacht verlässt in Marschkolonnen Dortmund, und der Vertrag von Locarno elektrisiert die Welt. Die Dortmunder Brüder haben andere Sorgen.
Gefährliche Schätzungen kursieren: Bis zu dreißig Brüder, also mehr als ein Viertel der Dortmunder, hingen seiner Meinung an. Die Meinung der Frauen ist nicht gefragt. Sie müssen ja sowieso ihren Männern folgen, wie Paulus verlangt.
Da schickt Rudolf Brockhaus sein stärkstes Kaliber, Bruder Schwefel aus Berlin. Paul Schwefel, Anfang fünfzig und mit einem imposanten Rauschebart geschmückt, gilt nach Brockhaus als der zweite Mann in der heimlichen deutschen Versammlungs-Hierarchie und ist ein Darbyst von rechtem Schrot und Korn. Seine Meinung hat er oft genug landauf, landab gepredigt: Einzig wir haben, der Urkirche gleich, die Einheit der Lehre, wie Darby das durchsetzte. Die muss unter allen Umständen rein erhalten bleiben. In diesem Falle: Entweder hat der Bruder Birkenstock Recht, dann müssen alle unsere vielhundert Versammlungen umlernen, oder er irrt, dann muss er widerrufen oder wird hinweggetan. Jedenfalls: „Compromises are in my judgement always wrong“. (Darby)
Aber für den Birkenstock wie für alle gewissensstarken Menschen, die sicher sind, eine Wahrheit in der Bibel gefunden zu haben, gilt, was vor vierhundert Jahren ein Größerer bekannte: Werde er nicht durch die Bibel selbst widerlegt, „kann und will ich nichts widerrufen, weil wider das Gewissen etwas zu tun weder sicher noch heilsam ist. Gott helfe mir. Amen.“
Damit ist Schwefels Urteil über ihn gesprochen. Wenn Bruder Birkenstock Gewissensprobleme hat, soll er die zu Hause mit sich abmachen und nicht die Heiligen Christi damit vom rechten Weg abbringen.
An einem Sonntagvormittag, nach dem „Brotbrechen“, folgt der vorletzte Akt, wie er in der Prozessordnung des Matthäus vorgegeben ist: Der Häretiker muss sich vor Schwefel und den Brüdern rechtfertigen - natürlich nur vor dem entscheidungsbefugten Teil: Männern. Die Frauen sind schon zum Kochen in ihre Küchen nach Hause gegangen.
Birkenstock spricht. Er tut es mit bebender Stimme. Seine rechte Hand zittert, die linke presst er auf den wie stets bei Erregung schmerzenden Magen. Nach wie vor will er „auf die Versammlung nicht hören“, wie einst Carl Brockhaus paulustreu ins Breckerfelder Glaubensbekenntnis schrieb. Wirbt stattdessen immer noch in seiner bescheiden-entschiedenen Art für die Erkenntnis, dass der „Tisch des Herrn“ der ganzen Gemeinschaft der Heiligen gegeben sei und nicht von den Versammlungs-Heiligen allein okkupiert werden dürfe. Ha! Als ob es auch außerhalb Heilige gebe!
Er sieht jene Männer an, die ihm seit Monaten mit männlichem Händedruck Solidarität versichern: Bruder Lange? Der blickt auf seine gefalteten Hände. Sein leiblicher Bruder August Birkenstock? Entfaltet umständlich sein Taschentuch, schnäuzt sich, faltet es wieder zusammen. Bruder Hoffmann? Putzt seine Brille.
Auf Nachfrage erklärt Adolf Birkenstock, sich durchaus vorstellen zu können, auch mit Baptisten das Abendmahl zu feiern - sogar mit den schrecklichen Wiedenestern! Einige Männer in der Runde nicken. Wahrhaftig, sie haben genickt! Zustimmend! Das ist ungeheuerlich. Jetzt gibt es der Geist nicht nur Bruder Schwefel, sondern auch maßgeblichen Dortmunder Köpfen ein, und die unmaßgeblichen nicken das Eingegebene ab: Bruder Birkenstock wird „in Zucht genommen nach der Schrift“ – vulgo: ausgeschlossen, und fortan heißt er Herr Birkenstock.
An diesem Mittag verliert er durch Brüderbeschluss seine Heimat. Gegenrede: keine. Aber einige Männer haben das Tribunal zuvor wortlos verlassen.
Auch alle Birkenstocks wenden sich ab oder schweigen. Nur zwei seiner Schwestern wollen zu ihm halten, aber ihre Ehemänner verbieten es ihnen. Von all den anderen, mehr als vierzig Menschen aus der Birkenstock-Sippe in Westdeutschland, die meisten von ihnen „Brüder“, mit denen er stets in herzlichem Einvernehmen gelebt hat, solidarisiert sich kein einziger mit ihm.
So ist nun für ihn erfüllet, was Carl Brockhaus Anno 1853 im Glaubensbekenntnis seiner Breckerfelder bestimmte: Ludwigs Enkel Adolf gehört zu jenen, „die nach hinreichender Ermahnung im Ungehorsam beharren“. Jetzt, 75 Jahre, nachdem der Geist des Ex-Priesters Darby den Carl Brockhaus bezwang, wird Adolf Birkenstock ein Opfer des Engländers. Hinweg mit dem Sünder!
Getreu den von Paulus abgeleiteten, letztlich aber ungeschriebenen Regeln ist die ganze Versammlung samt Frauen und Jungvolk anwesend, als zur „Wortbetrachtung“ am Nachmittag das Urteil verkündet werden soll.
Schweigend erwarten an dreihundert Menschen das Drama. Schon öfter haben sie das Ausschluss-Ritual erlebt. Aber diesmal ist es etwas anderes. Ihr beliebtester Redner, ihr langjähriger Wortführer, ist zum Abschuss freigegeben. Der sitzt nicht auf seinem Stammplatz, sondern hinten beim Jungvolk, die verkrampften Hände auf dem Schoß. Was ihn nun erwartet, hätte er sich ausrechnen können, aber der Gedanke, er, der Treueste der Treuen, könne ausgeschlossen werden, auch noch für „nicht schriftgemäßes Verhalten“, war für ihn einfach undenkbar.
Zunächst ist es wie immer. Singen - Beten - „Wortbetrachtung“ - Singen - Beten. An dieser Stelle ist sonst Schluss. Füßescharren. Ein Bruder erhebt sich. Er geht zum Pult, schlägt seine Bibel auf und liest. „Wenn er aber auch auf die Versammlung nicht hören wird, so sei er dir wie der Heide und der Zöllner.“
Rechts die Männer, links die Weiberschar, hinten das Jungvolk. Starr sitzen sie und stumm. Niemand wagt auch nur zu husten. Bruder Birkenstock ein Heide und Zöllner! Sie hören es, haben gewusst, dass es so kommen würde, und doch ist es unfassbar. Er hat Christus „der Lehre nach Unehre angetan“. Eine ganz schlimme Sünde. Da gibt es nur eins, was Gott durch Paulus in dessen erstem Korintherbrief 5,13 hat ausrichten lassen: „Schafft den Bösen aus eurer Mitte hinweg!“ Des Herrn Wille geschehe. Aber es dreht sich uns das Herz um.
Zwischentext:
Ulrich Bister zur Ausschluss-Praxis in unserer Zeit79
Anscheinend hat in heutiger Zeit gerade das Bewusstsein der Zugehörigkeit zu dieser einzigartigen Versammlung mit all ihren gottgegebenen Privilegien dazu beigetragen, über den, der Zweifel an dieser Ordnung hat(te) oder der sich bei aller menschlichen Unvollkommenheit versündigt (hat), den Stab zu brechen.
Wenn es wenigstens ein Beschluss von Menschen wäre! Aber diesen hat schließlich der Heilige Geist eingegeben, und auch unser Herr Jesus saß dabei, unsichtbar natürlich, wie er es uns in Matthäus 18 versprochen hat, wenn wir uns in seinem Namen versammeln.
Als der Redner weiterspricht, wissen sie schon, was folgt. Er wird nun verkünden, dass dieser Beschluss auch für alle anderen Ver-sammlungen Gültigkeit hat. Da könnte Bruder Birkenstock nach Australien fliehen: Keine der dortigen „Versammlungen“ darf ihn aufnehmen. Ja, könnte er den Planeten verlassen - auch da würde der Ausschluss gelten.
Viel schlimmer noch: Auch im Himmel wird er dermaleinst Bestand haben. „Was irgend ihr auf der Erde binden werdet, wird im Himmel gebunden sein; und was irgend ihr auf der Erde lösen werdet, wird im Himmel gelöst sein.“ So beurkundet im Evangelium des Matthäus, achtzehnter Vers des achtzehnten Kapitels. Weltlich gesprochen: Adolf Birkenstock ist seine Heiligkeit aberkannt, und auf ihn wartet der Höllenpfuhl.
Nicht er glaubt an die ihm bevorstehende Endlos-Qual. Dazu ist er seiner Sache viel zu sicher, wie es alle seine Vorgänger auch waren, von dem Wittenberger Mönch bis zu Brockhaus und Darby. Aber die meisten seiner Richter glauben es. Aber was sein muss, muss nun mal sein.
Er hat sein Gesicht in den Händen vergraben. Die Versammlung ist seine Heimat. Seit er denken kann, gehört er dazu. Sein Vater war ein „Bruder“ und sein Großvater. Die ganze Sippe besteht aus „Brüdern“. Mit allen Fasern seines Lebens ist er verwurzelt in seiner Versammlung. Wenn er spricht, spricht er ihre besondere Sprache. Summt er eine Melodie, stammt sie gewisslich aus der „Kleinen Sammlung geistlicher Lieder“. Herausreißen aus seinem Wurzelboden kann man ihn nicht. Man kann ihn nur fällen. Das ist soeben geschehen.
Bruder Schwefel steht auf, Kummerfalten im Gesicht. Vom traurigen, betrübten Herzen spricht er. Und dass Adolf Birkenstock, den er erstmals nicht mehr „Bruder“ nennt, zurückkehren möge. Dann sei ihm Gnade gewiss. Denn der Zweck aller wahren Zucht sei Heilung, nicht Zerstörung. Und dann betet er laut für den Verfemten. Er setzt sich wieder.
Rechts die Männerriege, links die Weiberschar, hinten das Jungvolk. Sie warten darauf, dass der Heilige Geist einem der Männer das zu singende Lied eingebe. Plötzlich eine laute Stimme: „Lied siebenunddreißig!“ Räuspern hier, Hüsteln dort. Blättern in den schwarzen Büchlein. Ein laut gesummter Ton. Und dann setzt vierstimmig und machtvoll der dreihundertstimmige Chor ein:
Stark ist meines Jesu Hand.
und er wird mich ewig fassen;
hat zu viel an mich gewandt,
um mich wieder loszulassen.
Mein Erbarmer lässt mich nicht,
das ist meine Zuversicht.
Paula Birkenstock auf der anderen Seite des Saales sieht den gebeugten Kopf ihres Adolf. Worum die ganze Auseinandersetzung letztlich ging, hat sie nicht verstanden. „Das ist nichts für uns Frauen“, pflegt sie zu sagen, wenn geistliche Gespräche intensiver werden. Nun kann sie das Entsetzliche nicht fassen, das auch über sie und ihre Kinder hereingebrochen ist.
Ihr gesamter Freundeskreis ist ihr soeben genommen worden. Denn der Mann hat (Thimotheus!) seinem „Hause“ vorzustehen. „Du und dein Haus“, das war für Paulus eins.
Also ist es das auch für Gott - und selbstverständlich für die Brüder. Wohin der Mann geht, dahin hat auch seine Familie zu gehen. Sippenhaft nennt so etwas nur, wer von heiligen Dingen keine Ahnung hat.
Da die Birkenstocks außerhalb der Brüderbewegung, „in der Welt“, nicht verkehren, wurde Paula ihr gesamter Freundes- und Bekanntenkreis weggenommen. Ihren bescheidenen gesellschaftlichen Status hat sie eingebüßt.
Ihre Kinder haben alle Freundinnen und Freunde verloren. Niemand wird sie mehr einladen, niemand ihre Einladung annehmen. Andere als aus der Versammlung, aus der „Welt“, haben sie nie gehabt. Paula weint.
Unerbittlich singt die Gemeinde weiter.
Strophe drei:
Wenn der Kläger mich verklagt,
Christus hat mich schon vertreten;
wenn er gar zu richten wagt,
Christus hat für mich gebeten.
Dass mein Mittler für mich spricht,
das ist meine Zuversicht.
Dieser Text bei dieser Gelegenheit! Ein Affront? Sind des Birkenstocks Genossen noch nicht stille? Wer hat das Lied vorgeschlagen?
Adolf Birkenstock verlässt den Raum unter Tränen. Er ist nun geächtet wie sein Bruder Fritz. Viele wackere Gesinnungsgenossen des Verfemten, die ihm kürzlich noch versichert haben, seine Ansicht zu teilen, wenden sich ab, als er sich von ihnen verabschieden will.
Zwischentext
Ruin des Familienfriedens
Helmut Z. aus Pulsnitz, „Bruder“, *etwa 1910, am 13.3.1989 zu G.S.
Einmal waren Albert Hempelmann mit seiner Frau, also Adolf Birkenstocks Schwester Hedwig, bei uns zu Besuch. Ich sehe Hedwig noch bitterlich weinen. ... Albert Hempelmann, der den „Brüdern“ treu geblieben war, sagte damals hier in Pulsnitz angesichts der Tränen seiner Frau (sinngemäß): „Hedwig, die Brüder haben so entschieden, und wir haben gehorsam zu sein.“
Hanna K., *1909, Urenkelin Ludwigs, Adolfs Tochter, am 29.7.1975
Hanna: Ich seh unsre Mutter noch! Diesem Streit war sie gar nicht gewachsen. Das war wirklich schlimm. Der Trennungsstrich ging richtig durch die Familien, nicht nur durch die Familie Birkenstock. Überall da, wo Verwandtschaft war, die zur Versammlung gehörte, da war einfach Trennung. Und sie dachten, das wäre bibelrichtig.
Reinhold S., *1903, Schwager einer Urenkelin Ludwigs, im Oktober 1975
(Meine Stiefmutter hat sich) dann plötzlich unter dem Einfluss von anderen Brüdern ganz ostentativ gegen den einmal eingeschlagenen Weg meines Vaters gestellt. ... Es hat jahrelange schwerste Zerwürfnisse gegeben, die zum Teil sogar in aller Versammlungs-Öffentlichkeit ausgetragen wurden, in Gebetsstunden usw., wo für meinen Vater gebetet wurde.
Es hat da doch einen absoluten Bruch zwischen ihm und seiner Frau gegeben.
Einige wenige wie der Techniker Albert Hohage und der Sattler und Schuhmacher Köhler gehen auf ihn zu. Weil er immer noch weint, stehen sie schweigend neben ihm.
Und Louis Sennlaub, der Meister im Stahlwerk Hoesch, der mehr als ein Dutzend „Brüder“ als Arbeiter in seine Maschinenhalle geholt und sie auf diese Weise während der großen Depression in Lohn und Brot gebracht hat. Er ist zu stolz, seine Arbeiter über sich zu Gericht sitzen zu lassen. Heute war er zum letzten Mal in der Saarbrücker Straße.
Adolfs verflossene christliche Mitbrüder wechseln nun die Straßenseite, wenn sie ihn erblicken, und trifft er sie doch mal und reckt ihnen aus alter Gewohnheit die Hand entgegen, so sehen sie an ihm vorbei und verschränken sie ihre Hände auf dem Rücken, „denn wer ihn grüßt“, schrieb Johannes in seinem zweiten Brief, „nimmt teil an seinen bösen Werken“.
Das allseits gerühmte harmonische Familienleben der Birkenstocks ist ruiniert. Die meisten der alten Freunde, voran die ältesten: Pixbergs, brechen alle Kontakte ab. Hedwig, Adolfs jüngste Schwester, will tränenreich zu ihm halten, aber ihr Mann, Albert Hempelmann, untersagt ihr jeden weiteren Kontakt mit dem Bruder.
Hanna Heinrichs, eine Schwester von Adolfs Frau Paula und regelmäßiger Gast im Hause, ward nicht mehr gesehen.
Emma, ihre zweite Schwester, die als unwiderruflich Ledige seit Jahren in Adolfs Haushalt lebt und von ihm ausgehalten wird, behält die Leitung des Versammlungs-Chores und sagt sich von ihrem Schwager los, bleibt aber in seinem Haushalt.
Und dann besucht Adolf seine Schwester Hedwig zu ihrem Geburtstag. Solche Tage bei den Birkenstocks waren früher unter allen Versammlungsleuten hoch gerühmte Familienfeiern, bei denen besonders lange und intensiv gesungen wurde, vierstimmig stets, nach den Sätzen der „Geistlichen Lieder“, und natürlich auswendig.
Noch einmal wird Adolf reingelassen, freudig von Hedwig, unwillig von anderen, feindselig vom Schwager, aber da er nun mal drinnen ist, mag man ihn nicht wieder rausschicken.
Brüder aus der Gemeinde kommen zum Gratulieren. „O, lieber Bruder, wie schön, dass Sie gekommen sind! Herzlich willkommen, Schwester Anna!“ Die Neuangekommenen gehen durch die Runde und begrüßen jeden mit Handschlag. Als Adolf Birkenstock an der Reihe ist und sich erhebt, sehen sie an ihm vorbei und übergehen ihn.80
Ein paar Tage später treffen ihn seine Töchter Elisabeth und Hanna vor dem Ofen knieend, wo er weinend einen Stapel Papiere verbrennt. „Vater, was machst du da?“
Es sind die Briefe des Rudolf Brockhaus, welche dessen als aggressiv erlebte Argumentation und ihm böse erscheinende Verdrehungen belegen. Um nicht in Versuchung zu kommen, jemals diese Briefe gegen seinen „Bruder“ zu verwenden, verbrennt er sie.
Er weiß, dass er keine Chance zur Rückkehr hat, denn was allgemein bekannt ist, wird auch er wissen: Rudolf Brockhaus hat sogar der Siegerländer Heimatversammlung seines Vetters, des Herausgebers der Konkordanz, die Rute gezeigt: Wenn ihr mit dem Rausgeschmissenen weiter Kontakt habt, wird eure ganze Versammlung ausgeschlossen! Wer will das schon riskieren?
Beim nächsten Treffen der Lehr- und Reisebrüder in der Elberfelder Zentrale aber wird Rudolf Brockhaus einige Dutzend schwarzberockter Brüder auffordern, mit ihm für Adolf Birkenstock zu beten. Und das wird er ernst meinen.
Er hat die Sache seinem Herrn im Gebet vorgetragen und ist gewiss, alles richtig gemacht zu haben.
Gustav Adolf Birkenstock war mein Großvater. Er lebte von 1882 bis 1952.
Ludwig Birkenstock war sein Großvater. Er lebte von 1823 bis 1901.
Nachtrag
Siebzehn Jahre später, als die „Versammlung“ während der NS-Diktatur mit den Baptisten zwangsvereinigt war, hat die Dortmunder Gemeinde auf Veranlassung ihres Baptistenteils Adolf Birkenstock zu einem Vortrag eingeladen. Der brachte ihm umgehend ein Redeverbot für alle deutschen Vereinigungen ein, diesmal auf Druck ihres darbystischen Teils. Des Urteils Begründung: „... verführt die Jugend.“
Was er zur ewigen Verdammnis andeutete („... in alle Ewigkeit verloren – trauen wir das unserem großen Gott
zu?“) war schon schlimm genug. Dass er aber den „Brüdern“ unter seinen Zuhörern ihr Seligkeitsmonopol nicht zugestand und sie damit auf eine Stufe mit ihren schrecklichen Zwangspartnern, den Baptisten, stellte, auch noch in deren Gegenwart!, war unerträglich.
Er wurde nie wieder eingeladen.
Zeitsprung 1: Drei Generationen später
Berichte von Nachgeborenen: Sie haben immer noch acht
Hierzu seine in Dortmund lebende Tochter Hanna am 9.2.1974 (FA 25.7): „Anfang 44, nachdem Vater Redeverbot bei uns in Dortmund bekommen hatte, waren die Brüder bei mir und wollten mit mir beten. Ich habe aber die Hände nicht gefaltet und wollte immer ‚Amen!’ sagen, aber ich war zu feige.“
Zeitsprung 2: Vier Generationen später
Berichte von Nachgeborenen: Geheimsache Rausschmiss
N. N. Birkenstock, *1937, Ururenkel Ludwigs, im Januar 2002 telefonisch über seine komplett „versammlungs“treue Sippe:
„Dass Onkel Adolf ausgeschlossen worden war, habe ich erst jetzt erfahren. Das hat man vor uns Kindern verheimlicht.“
77 Apostelgeschichte 20, 30
78 Der im Folgenden dargestellte Vorgang wurde, bis in die Einzelheiten über-einstimmend, von drei damals als Jungbrüder Mitwirkenden unabhängig voneinander berichtet: Willy Köhler im auf Band aufgezeichneten Gespräch, Reinhold Sennlaub auf per Post übermittelter Tonbandcassette und Albert Hohage brieflich, Details fernmündlich bestätigend.
79 Seite 203
80 Dieses Ereignis ist ebenso wie das häufige Wechseln der Straßenseite und Verweigern des Handschlags vielfach verbürgt, auch von Augenzeugen.
Erstes Buch
Teil 1: Ludwig, Carl und Mister Darby
Teil 2: Der wiedergeborene Ludwig
Zweites Buch
Adolf Birkenstocks Ungehorsam
Quellen
Archive
Nordrhein-Westfälisches Staatsarchiv Münster:
Regierung Arnsberg II A Nr. 86 (totgeborene Kinder)
Kleve-Märkische Regierung, Landessachen, Nr. 1336
(Lutheraner gegen Reformierte)
Kleve-Märkische Regierung, Landessachen Nr. 977
(luth. Gemeinde Breckerfeld)
Kreisgericht Hagen Nr. I 9 (Kirchenaustritte)
Grafschaft Mark, Gerichte III, 8,1, Bd. 6
Pfarrarchiv der evangelischen Gemeinde Breckerfeld:
Teil I, D 42: Auseinandersetzung mit der „ev. Brüderge-meinde“
Kirchenaustritte
Presbyterium der ev. Kirchengemeinde Breckerfeld: Jahresbericht pro 1851.
Stadtarchiv Plettenberg
Archiv des Katasteramts des Ennepe-Ruhr-Kreises, Schwelm
Archiv der ev. Landeskirche von Westfalen, Bielefeld
Kirchenbücher der ev. Gemeinde Breckerfeld
Personalakten: Bestand I (alt) Nr. 1412
Familienarchiv Sennlaub
Mappen 20 - 27
Zeitungen und Zeitschriften
Hermann, Zeitschrift für die Lande zwischen Weser und Maas,
76tes Stück, Schwelm, 20.9.1828
Westfälischer Anzeiger Nr. 97, 3. Dezember 1805
Die Botschaft. Monatsschrift zur Förderung bibelgläubiger Chris- ten. Jahrgang 87, Januar 1939. Verlag R. Brockhaus, Wup
pertal-Elberfeld
Botschafter des Heils in Christo.
33. Jahrgang, 1885, C. Brockhaus, Elberfeld
47. Jahrgang, 1899, R. Brockhaus, Elberfeld
72. Jg. 1924, Verlag Rudolf Brockhaus, Elberfeld
85. und 86. Jahrgang 1937 und 1938, Verlag R. Brockhaus, Wuppertal-Elberfeld
Die Tenne. Christliche Halbmonatsschrift für die herangewachsene Jugend. Hgg. von Adolf Birkenstock. Jg. 1925, Verlag F.W. Brockhaus, Elberfeld
Bibelzitate
Zu Ereignissen vor 1854 folgen sie der Lutherschen Überset zung, danach der „Elberfelder“ Übersetzung der „Brüder“.
Bücher
Adressbücher Barmen von 1875, 1882, 1889 und 1899
Bartz, Wilhelm: Freikirchen in Deutschland. Geschichte, Lehre, Ord- nung. Spee-Verlag, Trier 1973
Bister, Ulrich: Die Brüderbewegung in Deutschland von ihren An
fängen bis zum Verbot des Jahres 1937 - unter besonderer Berücksichtigung der Elberfelder Versammlungen. Disserta
tion, Uni Marburg, 1983
Brockhaus, Walther: Brockhaus, Wiesenthal und Oesterau. Werks- geschichte 1864-1924. Gedruckt bei F. und W. Brockhaus, Elberfeld o.J. (wohl 1925)
R. Brockhaus Verlag: Mit Bibel und Botschaft fing‘s an. 125 Jahre R. Brockhaus Verlag. R. Brockhaus, Wuppertal 1978
Damaschke, Sabine: Zwischen Anpassung und Auflehnung. Die Lage der Wuppertaler Textilarbeiterschaft in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Band 35 der Reihe Beiträge zur Geschichte und Heimatkunde des Wuppertals. Born-Verlag, Wupper tal1992
Eylenstein, Ernst: Carl Brockhaus. Ein Beitrag zur Geschichte der Entstehung des Darbysmus in Deutschland. In: Zeitschrift für Kirchengeschichte 46/1927, S. 275-312
Geldbach, Erich: Christliche Versammlung und Heilsgeschichte bei John Nelson Darby. Brockhaus, Wuppertal 31975
Gerlach, Rolf-Edgar: Carl Brockhaus - ein Leben für Gott und die Brüder. Verlag Rolf Brockhaus, Wuppertal 1994
Goebel, Klaus, und Manfred Wichelhaus (Hg.): Aufstand der Bürger. Revolution 1849 im westdeutschen Industriezentrum. Peter Hammer, Wuppertal 1974
Gruehn, Werner: Die Frömmigkeit der Gegenwart. Grundtatsachen der empirischen Psychologie. Friedrich Bahn Verlag, Kon stanz 21960
Heinrichs, Wolfgang: Die protestantischen Freikirchen als religiöse Organisationsform der Moderne - dargestellt am Beispiel Wuppertals. In: Beek, Karl-Hermann (Hg.): Gründerzeit. Versuch einer Grenzbestimmung im Wuppertal. S. 330 ff. Rheinland-Verlag, Köln 1984.
Hermes, W.: Hermann Heinrich Grafe und seine Zeit. Ein Lebens- und Zeitbild aus den Anfängen der westdeutschen Gemein- schaftsbewegung. Bundes-Verlag, Witten/Ruhr 1933
Hoth, Wolfgang: Die Industrialisierung einer rheinischen Gewerbe- stadt - dargestellt am Beispiel Wuppertal. Band 28 der Reihe „Schriften zur rheinisch-westfälischen Wirtschaftsgeschich te“. Selbstverlag: Rhein.-westfäl. Wirtschaftsarchiv, Köln 1974
Hutten, Kurz: Seher, Grübler, Enthusiasten. Sekten und religiöse Sondergemeinschaften der Gegenwart. Quell-Verlag der Ev. Gesellschaft, Stuttgart 61959
Ischebeck, G.: Blätter aus vergangenen Tagen. In: Der Gärtner. Witten/Ruhr, 28. Jahrgang, 1919, 11. bis 19. Fortsetzung
Jorde, Fritz: Bilder aus dem alten Elberfeld. Martini & Grünestetten, Elberfeld 21907
Jordy, Gerhard: Die Brüderbewegung in Deutschland. Band 1: Das 19. Jahrhundert - Englische Ursprünge und Entwicklung in Deutschland. Brockhaus, Wuppertal 21989
Köllmann, Wolfgang: Sozialgeschichte der Stadt Barmen im 19. Jahrhundert. J.C.B. Mohr (Paul Siebeck), Tübingen 1960
Köster, Julius: Die Iserlohner Revolution und die Unruhen in der Grafschaft Mark, Mai 1849. Reuther und Reichard, Berlin 1899
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Kunz, Ulrich (Hg.): Viele Glieder - ein Leib. Kleinere Kirchen, Frei kirchen und ähnliche Gemeinschaften in Selbstdarstellungen. Quell-Verlag der evang. Gesellschaft, Stuttgart 1953
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Maier, Anton: Geschichte und Urkundenbuch des Amtes Brecker- feld. Band 1 (von 2). Breckerfeld 1900. Nachdruck 1979 (Stadt Breckerfeld)
Roch, Holm-Dieter: Naive Frömmigkeit der Gegenwart. Eine kriti- sche Untersuchung der Schriften Werner Heukelbachs. N.G.Elwert, Marburg 1969
Oehm, Hans Joachim: Die industrielle Revolutioon und ihre sozial- geschichtlichen Folgen in der werdenden Industriestadt Wuppertal. Eine Quellensammlung zur Wuppertaler Sozial geschichte. Hans Putty Verlag, Wuppertal 1964
Sandmann, Friedrich: John Nelson Darby und „Die Versammlung“. Ein Bild aus der Kirchengeschichte der Gegenwart. Mülheim/Ruhr 1902
Schmidt, Karl-Hans: Gas, Strom und Wasser für Elberfeld-Barmen. Born-Verlag, Wuppertal 1972
Spitzbarth, C.: Evangelische Beleuchtung des sogenannten Glau- bensbekenntnisses der Wiedertäufer, oder wie sie sich selber nennen: der evangelischen Brüdergemeinde zu Breckerfeld, ihre Hauptirrlehren, Ansichten und Grundsätze. Gustav Butz, Hagen 1853
Spitzbarth, Carl: Es geschieht nichts Neues unter der Sonne oder die Wiedertäufer zu Münster und die Wiedertäufer zu Bre- ckerfeld, Gustav Butz, Hagen 1853
Stadelmann, Rudolf: Das Zeitalter der Reformation. In: Just, Leo (Hg.): Handbuch der Deutschen Geschichte, Band 2, Aka demische Verlagsgesellschaft Athenaion Dr. Albert Hach feld, Konstanz 1956
Trautwein, Joachim: Pietismus - ein folgenreicher Sonderfall. Die pietistische Ethik und die Tugenden und Untugenden der Württemberger. In: Der Bürger im Staat, 34. Jg., Stuttgart 1984, Heft 2
Türcke, Christoph: Sekte. Teil 8: Religionswende. In: Die Zeit, Nr. 49/1994
Turner, W.G.: John Nelson Darby. Ein Lebensbild. R. Müller- Kersting, Huttwil (Bern), o.J. (1929)
Universal-Lexikon von 1746: Band 21
Ünlüdag, Tania: Historische Texte aus dem Wupperthale. Quellen zur Sozialgeschichte des 19. Jahrhunderts. Druck: Werner Fastenrath, Wuppertal 1989
Weber-Kellermann, Ingeborg: Die deutsche Familie; Versuch einer Sozialgeschichte. Suhrkamp, Frankfurt 1974
Weitbrecht, Hans Jörg: Beiträge zur Religionspsychopathologie, insbesondere zur Psychopathologie der Bekehrung. Scherer-Verlag, Heidelberg 1948
Werner, Gerhart: Die Stillen in der Stadt. Eine Betrachtung über die Sekten, Freikirchen und Glaubensgemeinschaften Wupper tals. Abendland-Verlag. Band 3 der Reihe Beiträge zur Ge schichte und Heimatkunde des Wuppertals, hgg. von der Abteilung Wuppertal des Bergischen Geschichtsvereins, Wuppertal 1956.
Erstes Buch
Teil 1: Ludwig, Carl und Mister Darby
Teil 2: Der wiedergeborene Ludwig
Zweites Buch
Adolf Birkenstocks Ungehorsam